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Tag 6: Task 4

Der Tag fing mit blauem Himmel an, die Prognose dämpfte dann aber unsere Freude gerade wieder ein bisschen: Zwischen einem Trog im Süden und einer sich nähernden weiteren Front sei der Wind in der Höhe recht stark. Mit der ganzen Feuchtigkeit der letzten Tage im Boden sollte sich die Thermik nur zögerlich entwickeln, und dann schon früh, schon kurz nach 15 Uhr, wieder verziehen. Zudem seien am späteren Nachmittag lokale Überentwicklungen möglich.

Dementsprechend wurde eine relativ kurzer Lauf von 60 km gesetzt, zuerst ein langer Schenkel gegen den Wind nach Nordost, dann im Zick-Zack via zwei Bojen wieder zurück, in ein Goal ein paar Kilometer vor dem Startberg.

Vor dem Rennstart zeigte sich schon, dass die Thermik zwar gut zog, aber dass der Nordostwind, gegen den wir dann anfliegen würden, wirklich ziemlich kräftig blies und die Thermik stark zerfranste. Dementsprechend kamen wir auch nicht so hoch, nur knapp auf 2000m, und ich hatte ständig das Gefühl, 50m neben dem "guten" Schlauch zu drehen. Aber anscheinend ging das vielen andern auch so.

Vom Rennstart weg machten einige junge Brasilianer mächtig Druck nach vorne, gruben immer wieder tief etwas aus, und preschten weiter kaum kamen wir bei ihnen oder über ihnen an. So schafften wir den Gegenwindschenkel überraschend gut, zudem wurde die Thermik immer besser. Der letzte Schlauch vor der Boje gab zuweilen 5 m/s her! Beim Rückweg zog ich dann ein bisschen die Handbremse an, schliesslich lag die letzte Boje wieder an dem See, an dem wir am Trainingstask schon vorbeigekommen waren. Diesmal mussten wir ihn zwar nicht überqueren, aber die Führungsgruppe kam dort tief an und musste sich mühsam in der erwartungsgemäss schwächeren Thermik ausgraben, während meine Gruppe mit viel Höhe daherkam, die Boje schnappte und sich auf die erste Gruppe draufsetzte. Ich verzog mich dann nochmals ein bisschen weg vom See, was mit noch stärkerem Steigen belohnt wurde. Als ich aus dem Augenwinkel sah, wie die Gruppe schräg unter mir in den Endanflug ging, war mein erforderliches Gleiten ins Ziel noch 8 - ich gab ihnen wenig Chancen, das durchzuziehen. Als mich dann aber auch noch der Lokalmatador Cristiano Ricci verliess, machte ich noch einen Kreis und flog los, benötigtes Gleiten 7.5.

Auf halbem Weg zur ESS fing aber die Gruppe vor uns im Geradeausflug an zu steigen, und so ging ihre Rechnung auf, meine nicht ganz. Schlussendlich schafften es heute überraschenderweise alle, die an die ESS kamen, auch ins Ziel, obwohl die Linie leicht erhöht hinter dem Landeplatz lag. 75 strahlende Gesichter im Ziel, über dem Startberg bauen sich derweilen bedrohlich dunkle Wolken auf, es donnert während wir zusammenpacken. Auf dem Rückweg gerieten wir dann in einen heftigen Regen- und Hagelschauer, der auch die Stadt zeitweilig lahmlegte. Unter anderem fiel eine der Seilbahnkabinen vom Trageseil auf ein Garagendach. Zum Glück nutzen wir dieses Mal - anders als 2010 - die Bahn nicht mehr, um an den Startplatz zu kommen, die dürfte morgen kaum ihren Betrieb aufnehmen.

Der Tagessieger Moises Sodre schaffte die Strecke in 1:58:58, er erhielt dafür 749 Punkte. Ich wurde mit 1:41 Rückstand 23. und büsste auf Moises 18 Punkte ein. 7 Minuten hinter mir kam auch Roli Zgraggen ins Ziel, er wurde heute 44. Overall führt nun Moises die Wertung an, ich konnte meinen 4. Platz verteidigen, mit 6 Punkten Rückstand aufs Podest und 9 Punkten auf Moises.

Morgen soll es je nach Wettermodell nochmals ähnlich werden wie heute, oder aber ein Hammertag. Wie auch immer, für mich steht klar der Angriff aufs Podest auf dem Programm.

Das Bild hat ein Helfer am Startplatz aufgenommen.

Unser Startplatz heute Nachmittag
05 September 2019, Jörg Ewald

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